Wie nehmen junge Menschen fernab der Ballungsgebiete die Zukunft wahr? Und welche Fähigkeiten braucht es, damit Kinder und Jugendliche gut mit den Herausforderungen von „Übermorgen“ umgehen können?
Für die wissenschaftliche Begleitung des Mobilen Futuriums ist das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) verantwortlich. Dieses ist Teil des Karlsruher Institut für Technologie (KIT).
Zum Projektteam der Begleitforschung gehören:
Marius Albiez (Projektleitung)
Steffen Bauer
Constanze Scherz
Markus Winkelmann
Die beteiligten Wissenschaftler*innen kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Die Spanne reicht von der Soziologie, der Zukunftsforschung und Philosophie, bis hin zu Reallaborforschung und Geschichte.
Kurzbeschreibung der Begleitforschung
Die Schulbesuche starteten Mitte des Jahres 2024 und fanden ihren Abschluss im Januar 2026. In dieser Zeit konnten über 100 Interviews durchgeführt werden, die das ITAS derzeit auswertet. Hinzu kommen Beobachtungen aus den Workshops an den Schulen sowie Ergebnisse des Austauschs mit Schlüsselpersonen aus der Region. Besonders überraschend waren folgende bisherigen Ergebnisse:
1.) Alles Zukunft, oder was? Begrifflichkeiten, wie „Futures Literacy“ oder „Future Skills“ werden in Bildungszusammenhängen zwar oft und gerne als Schlagwörter genutzt, jedoch bleibt häufig unklar, was sich hinter den einzelnen Konzepten wissenschaftlich verbirgt und wie diese im Verhältnis zu einander stehen. Das ITAS hat deshalb unterschiedliche Ansätze rund um Zukunftsbefähigungen genauer analysiert: (siehe ab S.28 ff.): https://www.oekom.de/buch/kompass-fuer-den-wandel-9783987261558
2.) Insta statt Tagesschau? Von Schleswig Holstein, über Sachsen-Anhalt bis nach Baden-Württemberg: Soziale Medien wie TikTok oder Instagram sind wichtige Informationsquellen, wenn sich junge Menschen über aktuelle und zukünftige Entwicklungen informieren. Soweit so erwartbar. Überraschend jedoch ist, dass weiterhin öffentlich-rechtliche Medienangebote als zentrale Informationsquelle dienen und im Gegensatz zu Social Media oder KI-Anwendungen einen hohen Vertrauensbonus genießen. Dabei werden Nachrichtensendungen nicht selten mit der Familie verfolgt, zuhause oder mit Freunden diskutiert sowie im Unterricht gezielt eingesetzt.
3.) Bloß weg hier? Kinder und Jugendliche identifizieren sich in hohem Maße mit dem eigenen, oftmals ländlich geprägten Wohnumfeld. Dies haben hat das ITAS in zahlreichen Interviews und Hintergrundgesprächen erleben dürfen. Besonders geschätzt werden von den Befragten dabei Gemeinschaftssinn und Naturnähe. Das heißt jedoch nicht, dass alle Bedürfnisse vor Ort rundum erfüllt werden. Gerade beim öffentlichen Nahverkehr sehen die Schüler*innen Ausbaubedarf – trotz aller Sympathie zum Auto.
4.) Wenn ich einen Wunsch frei hätte…: Bei der Frage, welche Wünsche junge Menschen für die Zukunft ihres Ortes haben, wird deutlich, dass diese nicht ohne Widersprüche auskommen. Hier ein paar Beispiele: Das Mobilitätsangebot soll deutlich ausgebaut werden, wohingegen Lärm- und Naturschutz geschätzt werden. Einerseits wird ein Ausbau der örtlichen Infrastruktur begrüßt, etwa um die Einkaufsmöglichkeiten zu verbessern. Andererseits befürchten die Befragten durch Zuzüge und Neubauten einen Identitätsverlust oder die Verdrängung der bisherigen Anwohnenden. Des Weiteren sollen Roboter und KI-Anwendungen den Alltag erheblich erleichtern. Gleichzeitig befürchten die Befragten Arbeitsplatzverlust und einen zunehmenden Verlust des menschlichen Miteinanders. An dieser Stelle werden die sonst selten offen gelegten Zielkonflikte der Zukunftswünsche junger Menschen konkret sichtbar. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, diese Konfliktlinien bewusster für die Weiterentwicklung kleiner Städte und Ortschaften in den Blick zu nehmen.
Bauer, S.; Albiez, M.; Scherz, C. (2025): Konzepte der Zukunftsbefähigung: zwischen Future Skills und Transformation Literacy.
Kompass für den Wandel: Mit transformativen Fähigkeiten die Welt von morgen gestalten. (Hrsg.): T. Wirth, T. Vogel, P. Jansen, 28–50, Oekom Verlag
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